15Feb2018

US-amerikanische Steuerreform

GVNW sieht aktuell keinen Anlass für Prämienerhöhungen oder Deckungsbeschränkungen

Die am 1. Januar 2018 neu eingeführte US-Steuer BEAT (Base Erosion and Anti-Abuse Tax) könnte sich aus Sicht des GVNW negativ auf die Gestaltung und den Preis des Versicherungsschutzes von US-Risiken deutscher Unternehmen auswirken. Hierzu sieht der GVNW aktuell jedoch keinen Anlass.

Im Dezember 2017 haben die beiden Kammern des US-Kongresses eine Steuerreform beschlossen. Neben den Erleichterungen bei der Besteuerung von Unternehmensgewinnen, enthält diese Reform auch die Einführung einer neuen Steuer, der sogenannten „Base Erosion and Anti-Abuse Tax“, kurz: BEAT. Durch diese Steuer werden ab dem 1. Januar 2018 u.a. Versicherungsprämien, die von ausländischen Versicherern aus den USA zediert werden, mit zunächst 5 % belastet. Ab 2019 erhöht sich die Steuerlast dann auf 10 % und ab 2026 auf 12,5 %.

Diese neu eingeführte US-Steuer kann Einfluss auf die US-Deckungen nichtamerikanischer Versicherer und ihre Prämiengestaltung haben. Denn bisher war es für deutsche und europäische Versicherer üblich, US-Risiken ihrer deutschen Versicherungsnehmer im Rahmen internationaler Versicherungsprogramme mitzuversichern. Dabei wird regelmäßig die in den USA eingenommene Versicherungsprämie nach Deutschland bzw. Europa zediert. Solche Geldflüsse werden nunmehr mit einer Steuer belastet.

Neben dem Einfluss auf Erstversicherungen könnte die BEAT auch Einfluss auf den Rückversicherungsmarkt haben. Denn insbesondere die auf Bermuda ansässigen Rückversicherer stehen im Fokus der neuen Gesetzgebung.

Inwieweit ein nichtamerikanischer Versicherer von der neuen Steuer tatsächlich betroffen ist, hängt auch vom Umsatz der US-Tochter (min. USD 500 Mio. im Schnitt der letzten drei Jahre) ab, vom Anteil der abgeführten immateriellen Leistungen von der US-Tochter an die Nicht-US-Mutter (min. 3 % der Kosten) sowie vom Anteil der Mutter an der US-Tochter (min. 25 %).

Aus Sicht des GVNW steht dennoch zu befürchten, dass die neue Steuer direkten oder indirekten Einfluss auf die Gestaltung und vor allem den Preis des Versicherungsschutzes von US-Risiken deutscher Unternehmen nimmt. Die konkreten Auswirkungen könnten sich spätestens bei der Erneuerung der Versicherungsverträge für 2019 zeigen.

Dabei ist zu beachten, dass die durch die US-Steuerreform auch eingeführten Erleichterungen bei der Unternehmensbesteuerung etwaige Nachteile teilweise oder sogar ganz ausgleichen könnten. Auch aus diesem Grund ist der GVNW nach dem jetzigen Verständnis der Ansicht, dass die US-Steuerreform keinen Grund dafür bieten darf, Prämien zu erhöhen oder Deckungen zu beschränken.

Der GVNW wird in den nächsten Monaten von Industrieversicherern konkrete Stellungnahmen zur BEAT und den Auswirkungen dieser Steuer für die versicherungsnehmende Wirtschaft einholen und diese dann anschließend in der VersicherungsPraxis veröffentlichen. Sollten Sie in den Diskussionen mit Ihren Versicherern bereits Erfahrungen mit der BEAT gemacht haben, so ist unsere Geschäftsstelle für eine entsprechende Information hierüber dankbar.